Die
Meeresbucht von La Flor an der Pazifikküste von Nicaragua ist ein Niststrand für
Meeresschildkröten. Der Strand ist ein Naturschutzgebiet und wird vom Militär bewacht.
Andrea Guyer hatte die Möglichkeit, diesen Strand zu besuchen.
In der Nacht vom 23.
September 1999 konnte sie sowohl die Eiablage wie auch den Schlupf der kleinen
Meeresschildkrötchen beobachten und fotografieren.
Nachts finden sich die
Pazifischen Bastardschildkröten (Lepidochelys olivacea) an diesem Strand
normalerweise in grosser Zahl ein um ihre Eier abzulegen. Die Zahl der Schildkröten, die
in dieser Nacht das Meer zur Eiablage verlassen haben, war allerdings nicht sehr gross.
Nach Auskunft der Ranger sei dies in Vollmondnächten normal. Ein anderer Grund könnte
aber auch sein, dass der Besuch am Ende der Eiablage-Saison, welche in Zentralamerika von
Juni bis August dauert, erfolgte. In jener Nacht konnten die ersten Eiablagen ab etwa
24h00 nach einsetzendem Regen beobachtet werden.
Die etwa 1 Meter langen und 25 kg schweren Weibchen
robben soweit den Strand hinauf, bis sie ausserhalb der Gehzeitenzone sind. Weiter unten
würden ihre Nester überflutet und zerstört. Hat das Weibchen den richtigen Platz
gefunden, schaufelt es im lockeren Sand mit allen Vieren eine flache Mulde. Nun hebt es
mit den Hinterbeinen eine 40-50 cm tiefe Eigrube aus. Am Grunde wird diese Grube durch
drehende Fussbewegungen birnenförmig erweitert.
Die kugelförmigen Eier mit einem Durchmesser von 5
cm werden im Abstand von etwa 10 Sekunden paarweise abgelegt. Die Hinterbeine dienen dabei
als Gleitbahn um zu verhindern, dass bereits abgelegte Eier von herabfallenden beschädigt
werden. Die Anzahl der abgelegten Eier liegt bei etwa 120 Stück. Sie ist abhängig von
der Grösse des Weibchens.
Nach der Eiablage wird
die Eigrube wieder verschlossen. Am Schluss dreht sich das Weibchen ein paar mal um die
eigene Achse und es ist dann schwierig, das Nest im Sand zu lokalisieren. Nach dem
Verschliessen der Grube wandert das Weibchen zurück ins Meer und überlässt die Eier
ihrem Schicksal.
Die Eier werden von
der Sonne ausgebrütet. Die Jungtiere schlüpfen nach Auskunft der Ranger nach 45 Tagen.
Mir scheint diese Zeit etwas kurz. Nach dem Schlupf verharren sie im Sand der Eigrube.
Wenn alle geschlüpft sind verlassen sie gemeinsam das Nest . Dies geschieht meistens in
der Nacht. Dann ist die Zahl der Fressfeinde geringer und es besteht keine Gefahr, an der
Sonne an Überhitzung zu sterben. An jenem Abend konnte der Schlupfvorgang ab 18h00 kurz
nach Sonnenuntergang beobachtet werden.

Nach dem Verlassen der
Eigrube streben die Schlüpflinge auf direktem Weg dem Meer zu. In der Nacht ist das Meer
der hellste Ort und daran orientieren sie sich. Hell beleuchtete Hotels an Niststränden
von Meeresschildkröten sind deshalb während der Schlupfzeit eine Falle für die Tiere.
Statt dem Meer streben sie dem Hotel zu. Das hat man an einigen Orten erkannt und
verringert an den kritischen Tagen die Beleuchtung. Meeresschildkröten sind ja
schliesslich auch touristische Attraktionen. |